Wie hat das Wing Chun von Meister Lok Yiu seinen Weg nach Köln gefunden?

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Die Geschichte des Wing Chun Kung Fu lässt sich in ihren Anfängen nicht bis ins letzte Detail exakt nachvollziehen. Die einst allgemein akzeptierte Geschichte von der Nonne Ng Mui, die ihre Kunst nach der Flucht aus dem von Mandschu-Truppen angegriffenen Shaolin-Kloster an die junge Frau Yim Wing Chun weitergegeben haben soll, wird inzwischen weithin mit einem gewissen Mißtrauen betrachtet und gilt heute eher als Legende denn als geschichtliche Wahrheit.
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Von der chinesischen Oper zu Großmeister Yip Man

Historisch gesichert ist der Weg des Wing Chun erst ab Ende des 19. Jahrhunderts, als dieser Stil von einer Operntruppe praktiziert wurde. Die chinesische Oper ist eng verwoben mit den Kampfkünsten und der chinesischen Kultur. Von den Operndarstellern Wong Wah Bo und Leung Yee Tai wurde die Kunst an Leung Jan weitergegeben, der in Süd-China große Berühmtheit erlangte. Er unterrichtete u.a. Chan Wah Shun, dessen letzter Schüler Yip Man wurde. Yip Man war es dann auch, der das Wing Chun über viele Jahre vervollkommnete.

Von Großmeister Yip Man zu Meister Lok Yiu

Der Anfang: Lok Yiu (3. v. links oben) in der ersten Klasse von Großmeister Yip Man

Der Anfang: Lok Yiu (3. v. links oben) in der ersten Klasse von Großmeister Yip Man

1949 musste Yip Man aus politischen Gründen aus China fliehen und ließ sich in Hongkong nieder. Dort begann er, sein Wing Chun Kung Fu zu unterrichten. Hier wurde Meister Lok Yiu einer seiner ersten Schüler. 7 Jahre verbrachten die beiden gemeinsam jeden Tag mit dem Wing Chun Studium und lebten zusammen. Meister Lok Yiu assistierte seinem Sifu beim Unterricht und stand Großmeister Yip Man bis zu dessen Tod 1972 zur Seite.
Großmeister Yip Man mit seinem Schüler und Freund Lok Yiu und dessen Söhnen Gong und Sang

Großmeister Yip Man mit seinem Schüler und Freund Lok Yiu und dessen Söhnen Gong und Sang

Meister Lok Yiu hat seitdem sein Leben dem Studium des Wing Chun gewidmet. In über 50 Jahren des Unterrichtens hat er sein Wissen und seine außergewöhnliche Begabung unablässig weiterentwickelt. Mit derselben Hingabe haben sich auch seine Söhne Lok Keng Sang und Lok Keng Kwong dem Wing Chun verschrieben.

Von Meister Lok Yiu zu Sifu Wilhelm Blech

Im Jahr 1992 beschloss Sifu Wilhelm Blech nach vielen fachlichen Enttäuschungen, Meister Lok Yiu in Hongkong aufzusuchen. Nach einigen Tagen gelang es ihm, einen Termin zu vereinbaren. Das war der erste Schritt einer innigen Freundschaft und vielen gemeinsamen Jahren. Durch die vielen regelmäßigen Besuche, den Ehrgeiz und die Beharrlichkeit seines neuen Schülers erkannte Meister Lok Yiu, dass Sifu Wilhelm Blech seine eigene Leidenschaft für die Kampfkunst teilt und die Kampfkunst mit Herzblut betreibt.
Ein Kungfu-Familienfoto: Meister Lok Yiu und seine Söhne Meister Gong, Meister Sang und Sifu Wilhelm Blech

Ein Kungfu-Familienfoto: Meister Lok Yiu und seine Söhne Meister Gong, Meister Sang und Sifu Wilhelm Blech

Aufgrund dieser besonderen Bedingungen entwickelte sich zwischen diesen beiden Männern ein ebenso besonderes Verhältnis. Nur deshalb entschied sich Meister Lok Yiu Wilhelm Blech nach chinesischer Tradition mit einer Teezeremonie im Kreis der Familie offiziell als seinen Todai (Schüler) anzunehmen. Bis heute ist Sifu Wilhelm Blech der einzige nicht-chinesische Schüler, den Meister Lok Yiu je akzeptiert hat.
Meister Lok Yiu (gest. 02-2006) hat Wing Chun entscheidend geprägt

Meister Lok Yiu (gest. 02-2006) hat Wing Chun entscheidend geprägt

Sifu Wilhelm Blech gründete die ELYWCIMAA, unseren europäischen Dachverband. Seit 1996 ist Sifu Sven Dittrich (Schule Köln Porz) Schüler von Sifu Wilhlem Blech. Am 06. Februar 2006 verstarb Meister Lok Yiu im Alter von 83 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit im Queen Elizabeth Hospital in Hong Kong. Nach dem Tod von Sifu Wilhelm Blech (07.  Sept. 2012) setzen seine Schüler seinen Weg im Sinne der Tradition fort. Die Schulleiter der ELYWCIMAA  halten mit regelmäßigen Trainingsaufenthalten in Hong Kong die familiäre Verbindung zu den Söhnen Meister Lok Yius , den Sihings ihres verstorbenen Sifus. Im Januar 2013 wurde bereits die erste Gruppe von Ihren Sibas Lok Keng Kwong und Lok Keng Sang unterrichtet. Dadurch wird der Fortbestand des Lok Yiu Wing Chun in Europa gewährleistet und die Zukunft der ELYWCIMAA als europäischem Dachverband im Sinne von Meister Lok Yiu und Sifu Wilhelm Blech gesichert.

Der Anfang

Die Sage von Yim Wing Chun

Der Anfang: Der Niedergang des Shaolin Klosters Siu Lam Die Geschichte beginnt in einem Shaolin-Kloster genannt Siu Lam in der Provinz Honan. Die Mönche dieser Gemeinschaft waren große Meister der Wu Shu Kampfkünste. Dies machte die herrschende Manchu Regierung misstrauisch. Truppen wurden ausgesandt, um das Shaolin-Kloster einzunehmen. Im Verlauf der zunächst friedlichen Verhandlungen bildeten die Mitglieder des Klosters eine Verschwörung. Als dann von außen die Soldaten angriffen wurde innerhalb der Mauern ein Feuer gelegt. Das Kloster ging in den Flammen unter.

Die Flucht von Ng Mui

Laut Sage konnten einige Mitglieder des Klosters dem Angriff auf Shaolin entkommen. So auch die buddhistische None namens Ng Mui (Wu Mei). Sie war eine Meisterin des Pflaumenblütenstils (eng: plum blossom fist). Neben Ng Mui gelang auch dem Shaolin-Abt Chi Shin die Flucht. Er tritt später wieder auf der sogenannten Roten Dschunke in Erscheinung (s. weiter unten).

Von Ng Mui zu Yim Wing Chun

Ng Muis Flucht endete vermutlich im Green Cloud Kloster in Kanton. In dieser Gegend lernte Ng Mui angeblich Yim Yee und seine Tochter Yim Wing Chun kennen. Sie war schon als kleines Kind Leung Bok Chau, einem Salzkaufmann aus Fujian, versprochen worden. Unglücklicherweise Yim Wing Chun wurde von einem jungen Herrn ohne Marnieren bedrängt: Er wollte sie zur Heirat zwingen. Als Ng Mui das erfuhr begann sie, Wing Chun Unterricht in Kung Fu zu geben. So sollte sich die junge Frau sich selbst gegen den Schläger wehren können. So kam es zum Kampf zwischen Wing Chun und dem Schläger. Wing Chun ging als Sieger hervor und konnte später ihren Mann Leung Bok Chau heiraten. Auch er wurde dann Schüler von Ng Mui.

Von Yim Wing Chun zur Roten Dschunke

Leung Bok Chau gab die erlernten Techniken an einen gewissen Leung Lan Kwai weiter. Leung Lan Kwai widerum unterrichtete Wong Wah Bo, ein Mitglied der Roten Dschunke, einer Operntruppe. Als Dschunke wurden die Transportschiffe der Operntruppe bezeichnet, die üblicherweise mit roter Farbe gestrichen und bunten Fahnen geschmückt waren. Wie schon das ursprüngliche Shaolin-Kloster war die Operntruppe eine Keimzelle für den Widerstand gegen die Mandschu- bzw. Ching- Dynastie. Auf der Dschunke arbeitete auch der Abt des Klosters (welches?) Chi Shin. Er war ein Meister der Sechseinhalbpunkt - Langstocktechniken und war der Koch der Truppe. Er unterrichtete ein anderes Mitglied der Roten Dschunke, nämlich Leung Yee Tei. Er gab die von Chi Shin erlernten Fähigkeiten auch an seinen Freund Wong Wah Bo weiter. Beide gemeinsam verbesserten und erweiterten ihre Kampfkunst.

Von der Roten Dschunke zu Yip Man

Später gab Leung Yee Tei sein Wissen an einem bekannten Kräuterarzt in Fat Shan weiter: Leung Jan. Von ihm sagt man, dass er das Wing Chun zur Meisterschaft brachte. Er wurde sehr bekannt, weil er viele Meister besiegte, die ihn zum Vergleichskampf herausforderten. Sein Wing Chun gab er an Chan Wah Shun weiter, der dann später Yip Man als Schüler annahm. Yip Man selber führte, wie viele zuvor, Modifikationen am Wing Chun durch. Yip Man Wing Chun enthält z.B. keine 5 Elemente und keine 8 Triagramme Philosophie mehr. Gelegentlich ist zu lesen, Yip Man habe einen weiteren Lehrer gehabt: Leung Bik, den jüngsten Sohn von Leung Jan. Leung Bik ist aber historisch nicht belegt und wird meist angezweifelt.

Weitere Linien des Wing Chun Kung Fu

Neben den im Stammbaum dargestellten Entwicklungslinien gibt es weitere Linien, die zur Entwicklung des Kung Fu beigetragen haben. Sie sind in dem Kontext Wing Chun Kung Fu aber nicht relevant. Wichtig ist aber, dass Yip Man mehrere Schüler hatte. Neben Lok Yiu unterrichtete er auch Leung Sheung und ganz wenige andere selbst. Von diesen wenigen direkten Schülern gehen ebenfalls weitere Entwicklungen des Wing Chun aus, die sich in Training, Bewegungsausführung und Philosophie unterscheiden.